Yujhi ist ein Tätowierer aus Südkorea, dessen Arbeiten bei Fans des experimentellen Blackworks schnell bekannt wurden. Sein Stil bewegt sich an der Schnittstelle von Bio-Organik und grafischem Surrealismus: Die Tattoos rufen eine Mischung aus Unbehagen, Neugier und hypnotischer Aufmerksamkeit hervor. Es sind Bilder, die gleichzeitig abstoßen und anziehen – Stacheln, Tentakel, chitinartige Texturen und segmentierte Formen lassen seine Designs visuell „gefährlich“, fast taktil wirken.

Doch hinter der äußeren Aggression steckt mehr als reine Horrorästhetik – es ist eine Reflexion über Transformation, instabile Identität und die sich verschiebende Grenze zwischen dem Menschlichen und dem „Anderen“. Yujhis Stil lässt sich nicht auf traditionelles Blackwork oder biomechanisches Tätowieren reduzieren; es ist eine in sich geschlossene Bildsprache, in der das Tattoo den Körper nicht schmückt, sondern als eigenständiger Organismus auf ihm existiert.
Wir laden Sie ein, die dunkle und faszinierende Welt der Tattookunst von Yujhi zu erkunden.

Hallo! Könntest du uns etwas über dich erzählen, woher du kommst und wie du zum Tätowieren gekommen bist?
Yujhi: Hallo! Ich bin Yujhi, ein Tätowierer aus Südkorea, der derzeit international arbeitet. Meine Reise zum Tätowieren begann mit einer tiefen Leidenschaft für das Zeichnen, das Geschichtenerzählen und die menschliche Verbindung. Ich war schon immer fasziniert von der Idee, dass Kunst auf der Haut lebt – etwas Persönliches, Kraftvolles und Permanentes.
Ich begann in meinen frühen Zwanzigern professionell zu tätowieren, nach Jahren des Übens von Illustration und der Erforschung verschiedener Formen des visuellen Ausdrucks. Vor dem Tätowieren war ich in den bildenden Künsten und im Design tätig, und diese Disziplinen beeinflussen meinen Ansatz noch heute – insbesondere in Bezug auf Komposition, Negativraum und Rhythmus.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Welche Merkmale deines Portfolios heben dich von anderen Künstlern ab?
Yujhi: Ich würde meinen Stil als kühnes, abstraktes Blackwork mit starker visueller Erzählung und emotionalem Gewicht beschreiben. Meine Arbeit wurzelt oft im Kontrast – zwischen organischem Fluss und grafischer Struktur, zwischen sattem Schwarz und offenem Raum. Was mein Portfolio auszeichnet, ist nicht nur die Technik, sondern die Absicht hinter jedem Werk. Ich bemühe mich, Designs zu schaffen, die sich mit dem Körper bewegen und mit dem Träger wachsen.

Wie und warum hast du dich für die Blackwork-Technik entschieden?
Yujhi: Blackwork fühlte sich wie eine natürliche Erweiterung dessen an, wie ich die Welt sehe – in Struktur, Schatten und symbolischer Tiefe. Ich fühlte mich von seiner Zeitlosigkeit und Stärke angezogen. Die Beschränkungen, nur mit schwarzer Tinte zu arbeiten, eröffnen tatsächlich endlose Möglichkeiten in Form und Erzählung. Es erzwingt Klarheit, Präzision und mutige Entscheidungen, was ich unglaublich spannend finde.

Erstellst du Designs auf der Grundlage von Kundenwünschen, oder arbeitest du häufiger nach deinen eigenen Ideen?
Yujhi: Es ist immer ein kollaborativer Prozess. Ich höre mir die Geschichte, Gefühle und Absichten jedes Kunden genau an und übersetze dies dann in meine Bildsprache. Die meisten Kunden kommen speziell wegen meiner künstlerischen Interpretation zu mir, daher gestalte ich oft frei nach ihren Themen oder Emotionen. Dieses Gleichgewicht aus Vertrauen und kreativer Freiheit ermöglicht zutiefst persönliche und einzigartige Ergebnisse.
Erzählen Sie uns von Ihrer Bewunderung für die Kunst von Kim Jung-gi. Wie hat sie Ihren Stil beeinflusst?
Yujhi: Seine Arbeit lehrte mich, meinen Instinkten zu vertrauen und den Rhythmus in der Komposition zu umarmen. Sein Selbstvertrauen und seine Erzählweise beeinflussen zutiefst, wie ich groß angelegte Projekte entwerfe und durchführe.

Was hat Sie sonst noch dazu inspiriert, Ihren einzigartigen Stil zu kreieren?
Yujhi: Ich lasse mich von Natur, Anatomie, verfallenden Strukturen, Architektur und Emotionen inspirieren. Ich drücke gerne die Verbindung zwischen der äußeren Welt und inneren Zuständen aus.
Gibt es Werke in Ihrem Portfolio, auf die Sie besonders stolz sind?
Yujhi: Ja, ich bin stolz auf Werke, bei denen Blackwork organisch mit der Körperstruktur verschmilzt. Besonders liebe ich großformatige Stücke, die sich mit der Form und Energie des Kunden entwickeln.

Was ist Ihnen beim Tätowieren wichtiger – Qualität, Größe oder der emotionale Aspekt?
Yujhi: Der emotionale Aspekt. Ohne Bedeutung oder Verbindung ist ein Tattoo nur Tinte. Ich möchte, dass jedes Stück Tiefe trägt und etwas Persönliches widerspiegelt.
Wo arbeiten Sie derzeit und mit wem arbeiten Sie zusammen?
Yujhi: Ich arbeite zwischen Südkorea und Europa und kooperiere mit Studios und Künstlern, die Tiefe, Kreativität und künstlerische Integrität schätzen.

Planen Sie Gastauftritte oder Reisen?
Yujhi: Ja, ich reise oft in Städte wie Berlin, Paris und Brüssel. Alle Reise- und Buchungsaktualisierungen kündige ich auf Instagram (@nowthisyujhi) an.
Haben Sie Erfahrung mit der Teilnahme an Conventions?
Yujhi: Ich fange gerade erst an. Im August 2023 nahm ich an der Korea Tattoo Convention in Seoul teil und hatte die Ehre, den 1. Platz in zwei Kategorien zu gewinnen – Sleeve & Leg und Blackwork. Das war eine sehr bedeutungsvolle Leistung für mich. Ich plane, in Zukunft an weiteren Conventions teilzunehmen.

Ist Ihre Warteliste im Moment lang? Wie können Kunden bei Ihnen buchen?
Yujhi: Meine aktuelle Warteliste beträgt etwa einen Monat. Ich öffne Buchungen regelmäßig über Instagram-Stories, wo Kunden alle Details und Anweisungen zur Bewerbung finden können.
Welchen Entwicklungsweg sehen Sie für sich in den nächsten Jahren?
Yujhi: Ich möchte meinen Stil weiterentwickeln – in Richtung Abstraktion, Bewegung und emotionales Storytelling. Ich hoffe auch, Bildhauerei und Textilkunst zu erkunden und schließlich jüngere Künstler durch Mentoring zu unterstützen.






