In diesem Interview stellen wir den Tätowierer Jihoon vor – einen koreanischen Künstler, der unter dem Namen UNDULMOOD arbeitet.
Sein Stil hat sofort unsere Aufmerksamkeit erregt – wirklich einzigartig, eine Mischung aus europäischem Blackwork und östlicher ornamentaler Ästhetik. Jihoon teilt seine Zeit zwischen Berlin und Seoul auf, was angesichts der dualen Natur seines künstlerischen Stils besonders symbolisch wirkt. Seine Tattoos sind Ornamente und Muster, die aussehen, als wären sie in eine Rüstung gemeißelt – jedes einzelne einzigartig für den Träger. Jihoon nennt seine Kunst „Rüstung für den menschlichen Körper“ – eine Schutzschicht für die menschliche Seele.
In diesem Gespräch spricht er über seinen Werdegang und die Entwicklung seines persönlichen Stils, in dem das Tätowieren zu einer Form des Schutzes, der Selbstdarstellung und der persönlichen Ästhetik wird.

Erzähl uns ein wenig über dich. Woher kommst du und wie lange tätowierst du schon?
Jihoon: Ich wurde in Busan, Südkorea, geboren und bin dort aufgewachsen, wo ich Industriedesign studierte. Von 2017 bis 2023 lebte und arbeitete ich als Tätowierer in Berlin, Deutschland. Derzeit lebe ich in Seoul, Südkorea. Ich tätowiere seit über acht Jahren.

Erzähl uns von deinem Werdegang – was oder wer hat dich in diese Branche gebracht?
Jihoon: Ich erinnere mich noch an das erste Mal, als ich ein Tattoo-Studio betrat, um mein erstes Tattoo zu bekommen. Innerhalb von drei Sekunden wusste ich – das ist es, was ich für den Rest meines Lebens tun möchte. Dieses Gefühl blieb bei mir, und diese Leidenschaft führte mich schließlich nach Berlin, wo ich meine Reise als Tätowierer begann.

Wo hast du studiert oder wie hast du deine Fähigkeiten entwickelt?
Jihoon: Ich habe selbstständig mit dem Tätowieren angefangen, zunächst autodidaktisch. Ein paar Monate später hatte ich das Glück, einem Studio in Berlin beizutreten, wo ich viel von den dort ansässigen Künstlern lernte. Mein zweites Studio hatte viele Laufkunden, was mir half, eine umfassende technische Basis durch vielfältige Projekte zu entwickeln.

Erzähl uns von deinem Stil – mit welchen Techniken und Tattoo-Stilen arbeitest du?
Jihoon: Meine Arbeit kann grob als ornamentales Blackwork beschrieben werden. Obwohl der Stil europäische Wurzeln hat, integriere ich ein starkes Gefühl meiner eigenen Identität, oft unter Verwendung östlicher Motive innerhalb dieses Rahmens.
Technisch kombiniere ich Black Packing und Dot Work, um Form und Textur zu erzeugen. Im Gegensatz zu Black and Grey oder Realismus-Tattoos strebe ich einen flacheren, grafischeren und 2D-Ausdruck an – fast wie ein visuelles Muster, das mit dem Körper fließt.

Welche Kunstformen inspirieren dich bei der Gestaltung deiner Designs?
Jihoon: Mein Motto „Rüstung für den menschlichen Körper“ ist von Rüstungen verschiedener Kulturen auf der ganzen Welt inspiriert. Ich habe meine eigenen Tattoos immer als eine Art persönlichen Talisman gesehen – etwas, das mich wie eine Rüstung schützt. Dieses Konzept entwickelte sich natürlich weiter, als ich verschiedene historische Rüstungen und kulturelle Ästhetiken erforschte, und diese Einflüsse wurden zu einem Kernelement meiner Tattoo-Designs.

Wie läuft dein Tattoo-Erstellungsprozess normalerweise ab – von der Idee bis zum fertigen Werk?
Jihoon: Ich beginne normalerweise mit dem Entwerfen auf meinem iPad. Manchmal fange ich mit einer einfachen Konzeptskizze an und arbeite während des Tätowierens freihändig. Andere Male erstelle ich das vollständige Design digital und kombiniere teilweise Schablonenarbeit mit Freihandzeichnungen auf der Haut.
Da die meisten meiner Projekte großflächig sind, erfordern sie oft mehrere Sitzungen – von zwei oder drei bis zu zehn. Die erste Sitzung konzentriert sich normalerweise auf Layout, Freihandzeichnung und Greywash-Umrisse, während die folgenden Sitzungen dem Black Packing und Schattieren gewidmet sind.
Du hast viele großflächige Projekte realisiert – erzähl uns von ein oder zwei deiner Favoriten.
Jihoon: Die unten gezeigten Arbeiten gehören zu meinen Favoriten. Ich fühle mich zu Kompositionen hingezogen, die geometrisch und reich an Mustern sind, oft inspiriert von traditionellen koreanischen Motiven wie Dancheong (den farbenfrohen Mustern, die man auf koreanischer Tempelarchitektur findet). Diese Werke repräsentieren am besten die Richtung, in die ich mich weiterentwickeln möchte – die Verschmelzung traditioneller östlicher Bildsprache mit modernem ornamentalen Fluss.
Du arbeitest zwischen Berlin und Seoul. Mit welchen Studios arbeitest du derzeit zusammen und wo wird deine „Heimatbasis“ im Jahr 2026 sein?
Jihoon: Ich arbeite derzeit bei Light House Professional Tattoo in Seoul. In Berlin war ich Teil von Der Grimm Tattoo. Im Jahr 2026 plane ich, nach Berlin zurückzukehren und meine Arbeit dort fortzusetzen.

Welche Erfahrungen hast du mit Tattoo-Conventions gemacht? Kannst du uns von deiner wertvollsten Erfahrung oder Auszeichnungen erzählen?
Jihoon: Dieses Jahr habe ich an der Korea Tattoo Convention teilgenommen und den 1. Platz in der Kategorie „Korean Traditional“ gewonnen. Es war eine inspirierende Erfahrung – die Arbeiten so vieler talentierter Künstler zu sehen, hat mich sehr motiviert. Ich arbeite derzeit an einem Ganzkörperanzug-Projekt, das ich auf mehreren kommenden Conventions präsentieren möchte.

Was ist dir bei der Zusammenarbeit mit Kunden am wichtigsten?
Jihoon: Kommunikation. Ich glaube, gute Kommunikation ist unerlässlich, um Vertrauen bei den Kunden aufzubauen. Da ich international arbeite, hilft mir fließendes Englisch, mit Menschen in Kontakt zu treten und sicherzustellen, dass sich jeder Kunde während des gesamten Prozesses verstanden und sicher fühlt.

Für diejenigen, die davon träumen, sich von dir tätowieren zu lassen – wie funktioniert der Buchungsprozess?
Jihoon: Buchungen können über meine Website undulmood.com vorgenommen werden. Sobald eine Buchungsanfrage eingereicht wurde, antworte ich per E-Mail mit Details zum Design, Zeitplan und Preis. Nach Zahlung der Anzahlung ist die Buchung bestätigt.

Welche Ziele setzt du dir in deiner Karriere?
Jihoon: Künstler wie Gakkin und Nissaco haben unverwechselbare Bildsprachen geschaffen, die zu eigenständigen Genres geworden sind. Ich möchte meinen Stil auf die gleiche Weise weiterentwickeln – Ganzkörperanzüge kreieren, die meine Philosophie „Rüstung für den menschlichen Körper“ verkörpern. Letztendlich ist es mein Ziel, diesen Satz nicht nur als Slogan zu etablieren, sondern als ein eigenständiges, wiedererkennbares Tattoo-Genre.






